Hochwassergefahr
04.03.2024

Mehr Häuser gegen Elementarschäden versichern ist sinnvoll

Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, gegenüber der Welt am Sonntag

Zum Schutz von Hausbesitzern vor Hochwasserschäden sowie zu Forderungen nach einer Pflicht für Elementarschutzversicherungen, sagte Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages gegenüber der Welt am Sonntag:

  • Porträtbild von Helmut Dedy

"Wenn die eigenen vier Wände von einem Hochwasser betroffen sind, wenn Sandsäcke nicht reichen oder Deiche zu brechen drohen, sind das für die betroffenen Menschen oft traumatische Erlebnisse. Deshalb sind Vorsorge und ausreichender Hochwasserschutz so wichtig. Ist mein Haus hochwasserfest und klimaresilient? Die Frage stellt sich für Eigentümer und Bauwillige gleichermaßen und liegt in ihrer Verantwortung. Die Länder stellen dafür Karten zur Verfügung. Sie setzen darin Überschwemmungsgebiete fest und aktualisieren die Karten regelmäßig.

Auch das Wasserhaushaltgesetz des Bundes regelt die Ausweisung neuer Baugebiete in Überschwemmungsgebieten sehr restriktiv. Im Außenbereich dürfen grundsätzlich keine neuen Baugebiete ausgewiesen werden, im besiedelten Gebiet müssen Bebauungspläne die Hochwassergefahren besonders berücksichtigen und sicherstellen, dass nur hochwasserangepasste Bauten errichtet werden. In festgesetzten Überschwemmungsgebieten ist das Bauen ohne Bebauungsplan grundsätzlich verboten. Wer dennoch bauen will, muss strenge Auflagen zum Hochwasserschutz für diese Bauten erfüllen und sich seinen Bau von den Landesbehörden genehmigen lassen.

Hochwasserschäden können damit allerdings für niemanden ausgeschlossen werden. Deshalb halten die Städte eine Elementarschutzversicherung für sinnvoll. Hier ist es wichtig, dass für mehr Häuser als bisher eine Versicherung abgeschlossen wird.

Die Hürden für eine Pflichtversicherung sind allerdings sehr hoch. Zudem darf der Abschluss einer Versicherung nicht die Eigenvorsorge ausbremsen. Deshalb halten wir den Vorschlag der Versicherer für eine gute Option, künftig die Wohngebäudeversicherungen nur mit Elementarschadenversicherung anzubieten, bei der die Kunden aktiv wählen müssen, wenn sie keine Elementarschadenversicherung wollen.

Natürlich bereiten sich auch die Städte stärker auf Extremwetterereignisse vor und passen ihre urbane Infrastruktur dafür an.

Städte müssen Wasser speichern können wie ein Schwamm. So kann bei Starkregen überschüssiges Wasser aufgefangen und in Hitzeperioden zur Wasserversorgung und Kühlung genutzt werden. Mehr Grünflächen, weniger Versiegelung und der Ausbau von Rückhaltebecken für Hochwasser – diesen Weg haben viele Städte bereits eingeschlagen. Das alles kostet große Summen. Dafür brauchen wir die Unterstützung von Bund und Ländern."

Zum Artikel mit den Aussagen von Helmut Dedy auf www.welt.de